EFSF - mal anders beschrieben



Stellen Sie sich vor, sie hätten eine grandiose Geschäftsidee. Wie diese Idee beschaffen ist, und ob sie etwas taugt, sei erstmal egal. Auf jeden Fall ist sie grandios und sie wollen sie unbedingt in die Tat umsetzen. Für Ihr Vorhaben brauchen Sie Geld, welches Sie nicht haben. Also stellen Sie einen Topf hin und versuchen, andere Leute dazu zu bringen, Geld in diesen Topf zu werfen. Natürlich wird jeder fragen, warum er denn sein schönes Geld in diesen Topf werfen sollte, welchen Nutzen er denn davon habe. Diesen Nutzen müssen Sie ihm versprechen, sonst tut er kein Geld in den Topf. Also versprechen sie ihm einen kleinen zusätzlichen Geldbetrag aus dem Gewinn Ihrer Geschäftstätigkeit.


So funktioniert das Verleihen von Geld seit Jahrhunderten: Ich gebe jemandem Geld mit der Erwartung, etwas mehr Geld ( =Nutzen ) zurückzubekommen.


Das ist natürlich nicht ohne Risiko, denn wer garantiert mir, daß derjenige, dem ich mein Geld anvertraue, dieses Geld zurückbezahlen kann ? Dafür gibt es unter Anderem als „vertrauensbildende Maßnahme“ den sogenannten „Bürgen“. Dieser Bürge ist meistens ein kapitalkräftiger Dritter, der ebenfalls verspricht, einzuspringen, falls der Schuldner das Geld nicht zurückzahlen kann. Wenn sich also jemand für geliehenes Geld „verbürgt“ ist das eine Art Garantie, daß ich mein Geld auch wirklich zurückbekomme. Und je reicher oder kapitalkräftiger und vertrauenswürdiger dieser Bürge ist, desto mehr ist das Rückzahlungsversprechen auch wert, kann ich doch relativ sicher sein, mein Geld auch wiederzubekommen.


Wenn ich also denjenigen, die Geld in meinen Topf werfen sollen, einen akzeptablen Bürgen präsentiere, ist das Vertrauen der Geldgeber, daß sie ihr Geld zurückbekommen, recht hoch. Denn sie müssen jetzt noch nicht einmal prüfen, ob meine Geschäftsidee was taugt und ob mein Vorhaben von Erfolg gekrönt ist oder nicht. Egal, was passiert – der Bürge ist ja da und wird mir mein Geld zurückzahlen

Unterstellen wir mal, ich hätte so einen Bürgen und die Geldgeber würden diesen Bürgen für vertrauenswürdig und potent halten, dann würde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit genügend Geld in meinen Topf bekommen, um meine Geschäftsidee umsetzen zu können.


Nun stellen Sie sich bitte vor, Sie seien die Europäische Zentralbank ( abgekürzt: EZB ) und Sie hätten diese grandiose Geschäftsidee. Für diese Idee benötigen Sie Geld und stellen Ihren Topf auf und versuchen, jeden potentiellen Geldgeber zu überzeugen, Geld in diesen Topf zu werfen. Die potentiellen Geldgeber sind meistens andere Banken, aber auch jeder Bürger, der Interesse hat, könnte Geld in diesen Topf geben. Auch in diesem Fall wird jeder Geldgeber prüfen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß er sein Geld zurückbekommt. Die EZB präsentiert den Geldgebern nun einen relativ sicheren Bürgen, nämlich die Gesamtheit der EU-Mitgliedsstaaten. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, sein Geld zurückzubekommen, äußerst hoch. Dieser Topf bekommt nun einen Namen: er heißt „Fonds“ oder „EFSF“, und die Quittung für das Geld, was der Geldgeber da reingetan hat, heißt Anleihe ( weil die EZB das Geld sich geliehen hat ) oder „Fonds-Anleihe“ oder „EZB-Anleihe“ oder „EFSF-Anleihe“. EFSF ( = Europäische Finanzstabilisierungsfazilität“ , klingt das nicht toll ? ) das ist der Name für diesen neuen „Rettungsfonds“. Es ist immer der gleiche Vorgang: Jemand gibt Geld und bekommt dafür einen Zettel, auf dem steht, daß er im Tausch gegen diesen Zettel sein Geld zurückbekommt. Auf diesem Zettel steht drauf, wieviel Geld im Gegenzug für diesen Zettel hingegeben wurde ( = Nominalwert) und wann (= Fälligkeit) und wie dieses Geld mit welchen Zinsen zurückbezahlt werden soll.


Nun haben Sie ( als EZB ), mit so einem Bürgen im Hintergrund, richtig viel Geld eingesammelt, und Sie können Ihre grandiose Geschäftsidee umsetzen. Die grandiose Geschäftsidee ist folgende: Sie kaufen irgendetwas ( dazu sind Sie ja jetzt in der Lage mit Ihrem gesammelten Geld ), und verkaufen es dann wieder, in der Hoffnung, zu einem höheren Preis verkaufen zu können, als sie es eingekauft haben. Sie wollen/müssen ja Gewinn machen.


Was kaufen wir nun ? Griechische Anleihen !

Was eine Anleihe ist, und daß der Wert einer Anleihe etwas mit „Vertrauen“ zu tun hat, haben wir ja gerade angesprochen ... Ja aber warum sind griechische Anleihen denn so anrüchig ? Es hat was mit der Wahrscheinlichkeit zu tun, ob diese Anleihen auch zurückgezahlt werden können. Der griechische Staat steht kurz vor der Pleite, kann also auch nicht seine Anleihen „zurücknehmen“ (= die Zettel wieder gegen Geld eintauschen ). Was ist also ein Zettel wert, auf dem steht: „Wenn Du mir diesen Zettel gibst, bekommst Du 100 Euro“ ? Kommt drauf an, ob dieser Zettel von einem potenten, kapitalkräftigen „Darlehensnehmer“ geschrieben wurde, oder von einem Bankrotteur, der nix mehr hat. Und wenn sich rumspricht, daß ein Land seine Schulden nicht zurückzahlt, dann wird es dieses Land schwer haben, sich weiterhin Geld leihen zu können. Und wenn man weiß, daß sich dieses Land in der Vergangenheit pausenlos mehr Geld geliehen und dann ausgegeben hat, als es überhaupt je erwirtschaften und zurückzahlen kann, dann wird das Vertrauen eines eventuellen Geldgebers in die „Bonität“ ( = die Zahlungskräftigkeit und Zuverlässigkeit ) dieses Landes nicht sehr groß sein.

Nun unterstellen wir mal, daß ich für eine griechische Anleihe, die ich mal für 100 Euro erworben habe ( ich habe also 100 Euro jemandem verliehen und dafür einen Zettel namens „Anleihe“, und auf dem „100 Euro“ steht, bekommen) vermutlich nur 20 Euro zurückbekommen werde, weil derjenige, der mir diese Anleihe „verkauft“ ( also sich das Geld von mir geliehen ) hat, nicht wesentlich mehr zurückzahlen kann. Was ist dann dieser Zettel namens „Anleihe“ wert ? Was würden Sie für so einen Zettel geben ?

Und wie hohe Zinsen ( = das Gewinnversprechen ) muß ein bankrottes Land anbieten, damit es überhaupt noch neues Geld von irgendwem bekommt ?

Griechenland kann mittlerweile noch nicht mal seine Zinsen, geschweige denn die geliehenen Beträge zurückzahlen.

Die Situation ist also verfahren: Da sitzt ein Geldverschwender, der sich schon viel Geld geliehen hat und jetzt nicht mehr zurückzahlen kann, weil er es sich selber lieber gutgehen läßt, am Wegesrand und schreit nach mehr Geld, und die vorbeigehenden sagen alle: “Ich bin doch nicht bekloppt, Dir geb' ich nix, weil ich mein Geld niemals wiedersehen werde.“


Nun kommt die Politik ins Spiel:

Griechenland soll in der Währungsunion bleiben und sich auch weiterhin Geld leihen können. Warum die europäischen Politiker das so wollen, darüber kann man spekulieren, aber es ist ihr erklärter Wille. Und wie wollen sie erreichen, daß man Griechenland wieder Geld leiht ? Indem man über Griechenland nicht mehr so schlecht denken muß in finanzieller Hinsicht ! Und das erreicht man, indem man die Rücknahme dieser griechischen Anleihen zum Nominalwert „garantiert“ , die „Bonität“ Griechenlands verbessert und dessen Anleihen wieder „werthaltig“ macht.

Genau das macht die EZB: Sie kauft griechische Anleihen. Und zwar sowohl die Anleihen, die bereits vor Jahren von den Griechen ausgegeben wurden und jetzt noch im freien Markt kursieren, kauft sie von den jeweiligen Besitzern, als auch direkt die neuen Anleihen, die von den Griechen direkt ausgegeben werden. Und alles kauft sie zum „Nominalwert“, also zu dem Wert, der da draufgedruckt ist, obwohl der wahre (rückzahlbare) Wert wahrscheinlich niedriger liegt. Jeder, der statt zum griechischen Staat zur EZB geht, um seine alten griechischen Anleihen einzulösen, bekommt also den Betrag, den er vorher hingegeben hat, nebst Zinsen in vollem Umfang von der EZB bezahlt. Und dabei hofft die EZB, daß – wenn sie die Rücknahme dieser Anleihen zum Nominalwert garantiert – dann die Griechen eine bessere „Bonität“ haben und sich zu moderaten Konditionen weiterhin Geld leihen können.


Um beim Bild zu bleiben: Der Geldverschwender schreit immer noch nach Geld und jetzt kommt eine freundliche EZB vorbei und sagt: „Aber sicher, hier hast Du Geld, und ich glaube Dir, daß Du alles zurückzahlen wirst. Hier, nimm, ich habe genug Geld.“


Daß die EZB das viele Geld ebenfalls sich nur geliehen hat, stört sie selber nicht besonders, geht es doch um höhere Aufgaben, wie die Rettung der Welt ...

Also kein Problem: die EZB hat ja vorher bereits Geld eingesammelt ( mit ihren eigenen Anleihen ). Dieses Geld gibt sie nun für den Kauf alter, noch nicht fälliger, griechischer Anleihen aus.

Nun glaube ich persönlich nicht daran, daß die zum Nominalwert von der EZB gekauften griechischen Anleihen jemals zu diesem Wert, nämlich zu 100 Prozent Nominalwert, von den Griechen zurückgenommen werden können. Wenn also die EZB diese gekauften Zettel (= Anleihen) irgendwann den Griechen mit der Aufforderung, den auf den Anleihen vermerkten Betrag zurückzuzahlen, präsentiert, dann glaube ich kaum, daß die Griechen diesen Betrag zahlen könnten. Sie pfeifen ja jetzt schon aus dem letzten Loch.


Und daß die EZB fleißig ist, siehrt man daran, daß ihre Bilanzsumme sich seit 2005 bis 2011 um das 2,5-fache gesteigert hat.

Denn bei der Bilanzausdehnung ab 2007 um rund 1 500 Milliarden Euro ist der größte Posten mit einem Plus von rund 600 Milliarden Euro die Zunahme der Wertpapierbestände. Das sind zum größten Teil Anleihen und unter diesen wiederum vor allem Staatsanleihen (die ja alle zurückgezahlt werden ? Ende Januar haben alle Gläubiger 50% Verlust akzeptiert. Entweder sind diese Anleihen nur noch die Hälfte wert oder sie waren es vorher schon).


Um beim Bild zu bleiben: Der Geldverschwender am Wegesrand kann jetzt vielleicht noch ein paar Altschuldner mit seinem neu geliehenen Geld beruhigen. Aber er verballert immer noch mehr, als er selber erarbeitet. Es ist nur noch die Frage, wann, aber nicht, ob er am Ende ist.


Was von so einer grandiosen Geschäftsidee der EZB zu halten ist, überlasse ich Ihnen, liebe/r Leser/in. Denn die EZB wird ja irgendwann, spätestens zum Ende der Laufzeit, ihre eigenen Anleihen/Fondsanteile zurückkaufen müssen, oder anders gesagt: sie muß irgendwann das Geld, welches sie sich geliehen hat, zurückzahlen, samt Zinsen. Und dann hat sie vermutlich (k)ein Problem. Für diejenigen, die Geld in diesen EFSF-Fonds gesteckt haben, ist es ein sicheres Geschäft, denn egal, wie die Sache ausgeht, und egal, ob die EZB zurückzahlen kann oder nicht – die EU-Mitgliedsstaaten bürgen ja für die Rückzahlung der EFSF-Fondsanteile. Daher werden die Banken auch fleißig in so ein sicheres Geschäft investieren und vermutlich ordentlich Geld verdienen. Und wenn die grandiose Geschäftsidee der EZB nicht aufgeht, dann zahlt halt der Steuerzahler die Zeche, denn die Bürgen ( = EU-Mitgliedsländer ) haben eine Geldquelle, die nie versiegt:

Ihre, verehrte/r Leser/in, Arbeitskraft und Ihr Vermögen.



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